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„Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen ist inzwischen ein immer größeres Problem. Inzwischen sind rund 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler davon betroffen. Die Zahlen sind in der Pandemie stark gestiegen. Ein Grund mehr, darüber aufzuklären, zu sensibilisieren und präventive Maßnahmen aufzuzeigen“, stellte Lukas Pohland, Gründer und 1. Vorsitzender des Cybermobbing-Hilfe e.V. anlässlich des internationalen Aktionstages „Safer Internet Day“ heraus. Im Rahmen dessen veranstaltete der gemeinnützige Verein am 7. Februar einen Präventions-Workshop für rund 50 Schülerinnen und Schüler sowie ein hochkarätig besetztes Fachsymposium zum Thema „Cybermobbing – Gefahr aus dem Internet“. Mit auf dem Podium vertreten waren neben Lukas Pohland die Bestsellerautorin und Unternehmerin Stephanie zu Guttenberg sowie die renommierte Cyberpsychologin Dr. Catarina Katzer. Moderiert wurde die Veranstaltung von Antje Kießler, TikTok-Moderatorin der tagesschau.

Am Vormittag des 7. Februars fand zudem ein Präventions-Workshop für rund 50 Schülerinnen und Schüler statt. Foto: Stephan Schütze

„Das Engagement gegen Cybermobbing ist für eine sichere, integrative und respektvolle Online-Umgebung unerlässlich. Wir müssen alle zusammenarbeiten, um einen freundlichen und respektvollen digitalen Raum zu fördern, in dem jeder mit Würde behandelt wird. Deshalb unterstütze ich die Arbeit des Cybermobbing-Hilfe e.V. von Herzen“, so Stephanie zu Guttenberg, die als Keynote-Speakerin für einen souveränen, kritischen und chancenorientierten Umgang mit dem Internet plädierte. Sie gilt als Pionierin der Internet-Aufklärung von Kindern sowie Jugendlichen und hat darüber den Bestseller „Wir können das besser!“ geschrieben. Darüber hinaus ist sie Gesellschafterin der BG3000 mit den Smart Camps, einem interaktiven Bildungsformat für Schülerinnen und Schüler. „Durch die Digitalisierung müssen Jugendliche mehr denn je Softskills erlernen. Zwischenmenschliche Fähigkeiten müssen besser geschult werden, das geht in der heutigen Zeit viel schneller verloren und öffnet Cybermobbing Tür und Tor. Besonders wichtig ist es zudem, Betroffenen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Deswegen sind öffentliche Veranstaltungen, wie die des Cybermobbing-Hilfe e.V., so wichtig“, stellte zu Guttenberg heraus. Sie bemängelte zudem, dass in Deutschland Bildung keine Lobby besitze. „Die Lobby für digitale Bildung muss gestärkt werden, dazu braucht es engagierte Politiker und engagierte Lehrkräfte. Es muss spezielle Beauftragte in Schulen geben und es müssen Zeitkontingente im Lehrplan für Cybermobbing-Prävention geschaffen werden“, betonte auch Lukas Pohland.

Keynote-Speakerin Stephanie zu Guttenberg plädierte für einen souveränen, kritischen und chancenorientierten Umgang mit dem Internet. Foto: Stephan Schütze

Cybermobbing-Prävention muss verpflichtend sein

Dem pflichtete auch die renommierte Cyberpsychologin Dr. Catarina Katzer bei: „In Schulen müssen entsprechende Organisationsstrukturen geschaffen werden. Prävention muss verpflichtend sein, damit sich maßgeblich etwas ändert. Unsere Nachbarn in den Niederlanden machen es uns vor. Dort ist die Cybermobbing-Prävention fest in den Schulen verankert und das zeigt sich auch in den rückläufigen Fallzahlen.“ Aber auch die Eltern müssten für ihre Kinder offene Ohren und vor allem auch offene Augen haben. Es wäre nicht nur wichtig, Lehrerinnen und Lehrer entsprechend zu schulen, sondern auch die Väter und Mütter, so die Cyberpsychologin. „Wir brauchen vor allem Konzepte der Peer-to-Peer-Arbeit – auch bezogen auf die Eltern. Werden Eltern von Jugendlichen in den Schulen zu digitalen Themen gecoacht, steigt die Teilnehmerzahl sowie das Verständnis für die Probleme und das digitale Leben der eigenen Kinder.“

Dr. Katzer leitet in Köln das Institut für Cyberpsychologie & Medienethik und gilt als internationale Expertin für die fortschreitende Vernetzung von Internettechnologie mit Individuum und Gesellschaft und deren Einfluss auf Fühlen, Denken und Handeln. Zu den Spezialdisziplinen der Cyberpsychologin gehören insbesondere das negative digitale Sozialverhalten sowie der Bereich der Cyber-Kriminologie. Dazu zählen sowohl digitale Hasskulturen und Fake News als auch Cybergrooming und Cyberbullying.

Die Experten waren sich einig darüber, dass die Lobby für digitale Bildung gestärkt und Cybermobbing als Straftatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden muss. Foto: Stephan Schütze

„Cybermobbing ist keine Bagatelle und muss daher als Straftatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden“, forderte Lukas Pohland darüber hinaus im Rahmen der Podiumsdiskussion und appellierte eindringlich an die Politik tätig zu werden. „Denn die Folgen von Cybermobbing sind für Betroffene oft gravierend. Die soziale Ausgrenzung und die permanenten Beleidigungen schädigen die Psyche der Kinder und Jugendlichen“, so Pohland weiter. Daher bietet der Cybermobbing-Hilfe e.V. mit seiner kostenlosen Online-Beratungsplattform cybermobbing-hilfe.de schnelle, anonyme und unbürokratische Hilfe. Das Besondere: Es sind speziell ausgebildete Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren, die ehrenamtlich und auf Augenhöhe Betroffene beraten.

Bild oben: Im Rahmen des Safer Internet Days am 7. Februar veranstaltete der Cybermobbing-Hilfe e.V. ein Fachsymposium zum Thema „Cybermobbing – Gefahr aus dem Internet“. An der Podiumsdiskussion nahmen die Bestsellerautorin und Unternehmerin Stephanie zu Guttenberg (l.), Lukas Pohland (2.v.l.), Gründer und 1. Vorsitzender des Cybermobbing-Hilfe e.V., sowie die renommierte Cyberpsychologin Dr. Catarina Katzer (r.) teil. Moderiert wurde die Veranstaltung von Antje Kießler (2.v.r.), TikTok-Moderatorin der tagesschau. Foto: Stephan Schütze

Weitere Fotos vom Safer Internet Day:

Fotos: Stephan Schütze